Die Fahrt auf der grünen E40 ging problemlos durch Polen bis an die Grenze kurz vor
Liv (Lemberg). Die Grenze hat nicht länger als eine Stunde gedauert.
In Liv habe ich kein einziges zerstörtes Haus gesehen. Überall wird viel gebaut.
Wohnungen und Büros. Es geht unheimlich vorwärts. Alle Hotels sind ausgebucht.
Ich bin total überrascht. Massenhaft Tankstellen. Ganz viele Werbung und
Beleuchtungen. Beleuchtet Straßen. Besser als in Deutschland. Super Klos an den
Tankstellen. Nun ja, es ist auch nur der Westteil des Landes. Die nächste Stadt ist Kiew. Etwa 500 km. Dort wollte ich den Tempel besuchen. Ich
hatte mir die Adresse aufgeschrieben, Aber in Kiew ging mein WLAN nicht und es
war schon dunkel.
Nicht auf meinen Handy und auch nicht die Karte im Auto. Jetzt stand ich hilflos da.
Ich wusste, daß die E40 direkt ins Stadtzentrum führte und die Straße zum Tempel
eine Art Autobahn war. Also habe ich alle Straßen angeschaut, ob sie so ähnlich
aussahen. Und schließlich habe ich so eine gefunden. Ich wusste, da kommt vor dem
Tempel ein McDonalds und dahinter wieder einer. Der Tempel ist wegen des Krieges
nachts nicht beleuchtet, aber alles sonst, auch die Straßenlampen, waren taghell.
Der Tempel und das Kirchengebäude sowie die Herberge war mit einem großen
Gitter umzäunt, Der Pförtner versicherte mir, daß es in der Herberge kein freies Bett
mehr gebe. Ich wollte auf den inneren Parkplatz im Wagen schlafen, was er aber nicht
zu lies. Ich könnte in der Umgebung alle Hotels besuchen, was aber sinnlos war. Alle
waren voll. Also beschloss ich, im Auto zu schlafen. Am Ende des Tempels gab es
eine Ausfahrt von der Autobahn, da ich dachte, es gibt noch eine Zufahrt von hinten.
War aber nicht so. Als ich wieder auf die Autobahn einbog, streife mich ein Auto. Als
wir hielten, und ich mir den Schaden meines Gegners anschaute, war mir klar, das
kostet nicht viel. Dann stellt ich fest, daß mein Nummer weg war. Auf der Straße
habe ich es dann wieder gefunden und wieder angemacht. Dann sind noch paar
Mädchen aus den Wagen ausgestiegen und wollte Dollars haben. Es hat lang
gedauert, bis sie verstanden, daß auch Euros so gut wie Dollars sind. Mit 200 Euros
waren dann alle zufrieden.
Dann habe ich das Schild nach Odessa gesehen und den Tempel abgeschrieben.
Sonntag und Montag war eh zu in den anderen Tagen gab es nur Vorverordnungen,
wozu man nur wenige Leute brauchte.
Dann ging es Richtung Odessa, auch so 500 km. Weiß nicht, wo ich geschlafen habe.
Am nächsten Morgen war ich am Strand.
Im Stadtstrand waren einige Unterstände angelegt, wo Soldaten das Meer
beobachteten. War aber keiner da. Einige Leute machten ihr Jogging.
In der Stadt habe ich keine Zerstörungen gesehen. Am Strand entlang gab es schöne
Villen, aber die restliche Bebauung war sehr alt und sah recht nach Russland aus.
Dann hab ich mich auf den Weg Richtung Krim gemacht. Viele LKW waren mit
Weizen beladen und fuhren zum Hafen. Dort wurden sie auf Schiffen umgeladen.
Ich dachte, die Ukraine dürfe kein Weizen mehr ausführen. Ist aber schon lang
vorbei. Die Ukrainer beherrschen scheinbar das Meer mit ihren Drohnen.
Danach geht der Weg durch russische Dörfer nach Mikolajiw. Danach ist auf der
halben Entfernung zu Cherson die Grenze. Ab da hatte ich zwei Kontrollpunkte
anzufahren. Die Posten winkten mich einfach durch. Mein rotes Feuerwehr Auto
machte anscheinend den nötigen Eindruck.
Am dritten Halt, kurz vor Cherson, wurde ich nach meinen Papieren gefragt. Ich sollte ein Dokument haben, daß mich als Einwohner von Cherson auswies.
Da ich keines hatte, musste ich wieder zurück. Mein Trip nach der Krim war geplatzt.
Jetzt sollte ich das Land verlassen Richtung Rumänien. Da ich nicht durch
Moldawien fahren wollte, blieb mir nur ein kleiner Streifen am Meer. Bei Satoka war
aber die einzige Brücke gesperrt. Somit einen langen Weg zurück.
Ohne Wegweiser habe ich dann die Fähre über die recht breite Donau gefunden. Es gab fast keine Kontrollen auf der Seite der Ukraine und gar keine auf der Seite
Rumäniens.
Jetzt hatte ich vor, durch Bulgarien bis zur türkischen Grenze zu fahren. Mit den
Türken hatte ich einen Streit, weil ich schon lange nicht mehr ins Land durfte.
Es ging um diesen Unfall, den ich vor 15 Jahren hatte. In Cizre / Diyarbakir
(Kurdengebiet) hatte ich einen Crash mit meinen Nissan. Ich blieb unverletzt, aber
der X-Trail war kaputt. Ich habe ihn dann bei der Polizei abgestellt, habe das
Nummernschild mitgenommen und bin mit Bus und Zug nach Hause gefahren.
Die Polizisten waren sehr höflich, haben mir ein billiges Hotel ausgesucht und mich
hingefahren.
An der Grenze war im Computer nur gespeichert, daß ich mit einen Fahrzeug
eingereist bin und mit dem Zug wieder ausgereist bin. Da wurde ich auf die Liste der
Schmuggler gesetzt. Als ich dummer Weise mein Reiseziel mit Istanbul angegeben
habe, wo ja großer Aufruhr wegen des inhaftierten Bürgermeisters war, musste ich
sofort zurück fahren.
Ich war total fertig. Bin durch ganz Bulgarien nach Rumänien gefahren und habe
mich in ein Motel eingecheckt. Meinen 75zigsten Geburtstag habe schlafend
verbracht.
Dann hab ich den kürzesten Weg zur polnischen Autobahn gesucht und bin wieder
über die Ukraine nach Liv (Lemberg) gefahren. Von da ab bis zur polnischen Grenze
sind mir einige Lastwagen mit militärischen Gerät und Panzern begegnet.
Ich frage mich, warum die Straße nicht beschossen wird und am meisten frage ich
mich, warum alle unsere Politiker die nach Kiew reisen, mit dem Zug fahren. Scheint
total ungefährlich zu sein.
An der Grenze nach Polen musste ich sage und schreibe 5 Stunden warten. Als ich
wieder mal einen Panzer sah, habe ich das Handy abgedrückt. Plötzlich kam ein
Grenzer zu mir und wollte mein Handy. Ich dachte es ist futsch. Aber er schaute nur
meine Bilder an und löschte das letzte Bild.
Da fällt mir ein, daß ich auf einer Straße in der Ukraine eine Stunde warten musste,
weil eine Unfallstelle geräumt werden musste. Dann habe ich gesehen, daß dieser
Zusammenstoß auf einer Brücke geschehen war, die rechts und links keine
Sichtblenden zum Fluss hatte.
Jetzt weiß ich, warum man bei uns nicht runter schauen kann.
Nach einer Nachtfahrt auf der tollen E40 war ich dann gegen Mittag zu Hause.
Es war der 28.3. und ich war nur 1 Woche unterwegs gewesen. Auf meinen Mails
habe ich immer 2 Wochen geschrieben.